18.06.2007

Arche Nebra – Die Himmelsscheibe erleben

Wirtschaftsminister Dr. Haseloff stellt neues Besucherzentrum am Fundort der Himmelsscheibe vor

Die 3600 Jahre alte Himmelsscheibe von Nebra â€” 1999 von Raubgräbern aufgefunden und verkauft, im Jahr 2002 sichergestellt — zeigt die älteste konkrete Darstellung des Kosmos weltweit und ist damit ein einzigartiges Zeugnis der menschlichen Kulturgeschichte. Nahe dem Fundort dieses archäologischen Jahrhundertfundes stellt Sachsen-Anhalts Minister fĂĽr Wirtschaft und Arbeit, Dr. Reiner Haseloff, am heutigen Montag vorab zusammen mit Landrat Harri Reiche und Landesarchäologe Dr. Harald Meller das multimediale Besucherzentrum „Arche Nebra“ vor. Dazu bemerkt Haseloff: „Der Landesregierung ist bewusst, welche Schätze Sachsen-Anhalt vorzuweisen hat. Die Region um Halle vermittelt einen Einblick in unsere Vorgeschichte, wie er nirgendwo anders in Deutschland in dieser Qualität und Einmaligkeit zu finden ist. Deshalb hat das Wirtschaftsministerium mit Nachdruck die touristische ErschlieĂźung der Himmelswege-Region initiiert, begleitet und gefördert.“

Die feierliche Eröffnung wird am 20. Juni Ministerpräsident Professor Dr. Wolfgang Böhmer vornehmen, ab dem 21. Juni ist die Arche Nebra für Besucher zugänglich.

Architektur
Nach einem internationalen Architektenwettbewerb im Jahr 2004/2005 gelangte der Entwurf von Holzer Kobler Architekturen aus ZĂĽrich zur Umsetzung.
Das scheinbar schwebende Gebäude am Fuß des Mittelberges ist eine Referenz an die goldene Sonnenbarke, ein Element auf der Himmelsscheibe von Nebra. Die Fassade der Barke aus eloxierten Aluminiumplatten bietet je nach Sonneneinfall und Wetterlage ein subtiles Lichtspiel.
Der 60 m lange Baukörper beinhaltet eine thematische Dauerpräsentation zur Himmelsscheibe von Nebra, deren Gestaltung ebenfalls von Holzer Kobler Architekturen erdacht wurde. Gleichzeitig gibt der Präsentationsraum durch ein großes Panoramafenster den Blick frei auf den Fundort der Himmelsscheibe. Zentral im oberen Geschoss zeigt ein Planetarium den astronomischen Hintergrund der ältesten konkreten Himmelsdarstellung der Welt. Das gesamte Gebäude richtet sich auf den Aussichtsturm am Fundort der Himmelsscheibe.

Aussichtsturm
Ein Fußweg verbindet das Besucherzentrum mit dem 100 m höher gelegenen Turm auf dem Mittelberg, der sich in unmittelbarer Nähe der Fundstelle der Himmelsscheibe befindet. Der 30 m hohe und um 10° geneigte Turm ist in der Nordsüd-Achse auf die Fundstelle gerichtet und fungiert als Zeiger einer überdimensionalen Sonnenuhr. Ein vertikaler Schnitt durch den Turm markiert die Linie, in der die Sonne zur Sommersonnenwende untergeht. Diese Linie bildet zugleich die Sichtachse zum Brocken ab, dem höchsten Berg des Harzes und ein Orientierungspunkt für die Nutzer der Himmelsscheibe.
Eine Treppe fĂĽhrt den Besucher zur 30 m hoch gelegenen Plattform. So lassen sich ĂĽber die heutigen Baumkronen hinweg die bronzezeitlichen Himmelsbeobachtungen wieder nachvollziehen.
Die beiden Baukörper Besucherzentrum und Turm fungieren als Landmarks. Sie greifen die markante Formensprache der Himmelsscheibe auf, stehen für die Faszination von Astronomie und Archäologie, für die Verbindung von Himmel und Erde und für frühe Zeitmessung.

Landschaftsgestaltung auf dem Mittelberg
Nach einem Wettbewerb für Landschaftsgestaltung erhielt das Büro Club L94 LandschaftsArchitekten (Köln) den Auftrag, das Areal rund um den Rundort der Himmelsscheibe behutsam zu gestalten und auf wenige Akzente zu reduzieren.
Das Bergplateau wird von einer eisenzeitlichen Ringwallanlage umschlossen und von zwei Abschnittswällen begrenzt. Die eisenzeitliche Ringwallanlage ist partiell wieder hergestellt und in Form eines mit Gras bewachsenen Erdwalles modelliert.
Die Sichtbeziehungen, die der Besucher vom Aussichtsturm aus herstellen kann, werden durch etwa 50 cm breite Betonbänder im Boden mit eingestanzten Inschriften aufgenommen und helfen dem Betrachter, den Blick zu den entsprechenden Punkten zu lenken.
Ein „Himmelsauge“ markiert den Fundort selbst. Die leicht gekrümmte Scheibe aus poliertem Edelstahl dient als Himmelsspiegel und stellt so einen subtilen Zusammenhang zwischen dem Himmel und dem Fundort her.

Dauerpräsentation und virtuelle „Explainer“
Das Besucherzentrum inszeniert in erster Linie den Fundort und somit den Blick zum Mittelberg. Durch das große Panoramafenster der Arche Nebra blickt der Besucher zum Mittelberg. Dadurch wird eine Verbindung zwischen Präsentation und Fundort geschaffen.
Eine der zentralen Installationen spielt damit, dass die Himmelsscheibe selbst nicht ausgestellt wird, jedoch wesentlicher Inhalt der Gesamtpräsentation ist. Dazu wird sie mittels eines Hohlspiegels in Szene gesetzt. Vor dem gerahmten und verfremdeten Blick zum Fundort spannen sich die zentralen Insignien der Himmelsscheibe, der Vollmond, die Sichel und die Plejaden, auf. Die Besucher werden am Eingang der Präsentation mit diesem Prospekt empfangen. Erst beim Nähertreten lösen sich diese Einzelelemente auf und geben den Blick frei auf Inhalte und Exponate, die in eine besondere, aufwändige Ausstellungsarchitektur eingebracht sind. Im Zusammenspiel aus Originalobjekten, Repliken, geschriebenen Inhalten, Bildern und filmischen Sequenzen rund um die Himmelsscheibe verbinden sich bronzezeitliche Archäologie und Astronomie. Unter den Originalexponaten finden sich auch die Metallsonde der Raubgräber oder die Scherben der Mineralwasserflasche, die ihnen beim Graben am Fundort zerbrach.
Statt der klassischen Präsentation von Exponaten in Vitrinen begleiten so genannte Pepper's Ghosts mit Information, Witz und Charme den Besucher.
Vielfältige weitere innovative Ideen sind zur Umsetzung gekommen: Beim 3D-Flug ĂĽber Himmelsscheibe und Bronzeschwerter sieht der Besucher die Objekte aus der Sicht eines Staubkorns. Bei Cartoon und Hörspiel zur „wundersamen Reise eines Kupferbarrens“ versetzt er sich in die Lage eines solchen Barrens, der auf einer langen Handelsreise der FrĂĽhbronzezeit viele Abenteuer erlebt, ehe er zusammen mit seinen „Gefährten“ zur Himmelsscheibe weiterverarbeitet wird. Last but not least wird die aufregende Geschichte rund um die Auffindung der Himmelsscheibe â€” von der Raubgrabung bis zur Sicherstellung durch die Polizei â€” als Kasperltheater auf amĂĽsante Weise erzählt.
Spielerische Elemente laden zum Mitmachen ein und vermitteln besonders Kindern und Jugendlichen Erkenntnisse auf unkonventionellem Weg. So bietet sich die Möglichkeit, selbst aktiv zu werden: Mit dem „Scheibendrehspiel“ lassen sich gelesene Inhalte noch einmal nachvollziehen, indem die verschiedenen Elemente der Himmelsscheibe selbst angeordnet werden können. Einen ähnlichen Effekt hat das Magnetspiel zum Hortfund von Nebra. Die Besucher können damit ausprobieren, ob sie die Beifunde der Himmelsscheibe richtig zusammenstellen können.

Planetarium
Herzstück des Besucherzentrums ist das Planetarium, das Inhalte der Dauerpräsentation auf eine neue Weise vermittelt. Die Show, die in Zusammenarbeit mit dem Planetarium Hamburg konzipiert und technisch von Sky-Skan Europe umgesetzt wurde, verdeutlicht nochmals die Elemente der Himmelsscheibe von Nebra „direkt“ am Sternenhimmel. Insbesondere erhellt die Kuppelprojektion die komplexe Schaltregel, die auf der Himmelsscheibe verschlüsselt ist und zur Verknüpfung von Sonnen- und Mondjahr diente. Mit dem 80 qm großen, mit 40 Sitzplätzen ausgestatteten digitalen Planetarium verfügt das Besucherzentrum über eines der wenigen digitalen Planetarien in Deutschland. Technisch umgesetzt wurde das Planetarium von der Sky-Skan Europa GmbH. Der weltweit führende Anbieter von Multimedia-Systemen für Kuppeltheater hat in der Arche Nebra seine neueste Entwicklung installiert: DigitalSky2, eine Echtzeit-Applikation in 3D, die Planetariums- und Multimedia-Elemente in einer Ganzkuppel-Projektion vereint.

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Bildanfragen richten Sie bitte an Manuela Werner Ă–ffnet ein Fenster zum Versenden einer E-Mailwerner(at)himmelsscheibe-erleben.de.