„Laster der Nacht“ — Wanderkino kommt zur Arche Nebra
Ungewöhnliches Kinoprogramm in Kleinwangen
Am Freitag, 24. August, veranstaltet das Besucherzentrum Arche Nebra einen Kinoabend am Fuß des Mittelberges. Das Leipziger Wanderkino „Laster der Nacht“ hält an der Arche Nebra und zeigt ab 20.30 Uhr Filme, die im normalen Kinoprogramm nicht zu sehen sind. Das Programm wurde speziell für den Arche-Nebra-Filmabend zusammengestellt. Astronomie und Archäologie — den Themen des Besucherzentrums widmen sich auch die gezeigten Filme „Die Reise zum Mond“ und „Die Augen der Mumie Mâ“. „Balance“, ein Kurzfilm aus dem Jahr 1989, schafft eine moderne Verbindung zwischen den beiden Stummfilmen.
Die Filme
„Die Reise zum Mond“ entstand im Jahr 1902 und gilt heute als der erste Science-Fiction-Film der Kinogeschichte. Gerade einmal 14 Minuten lang, erzählt der Film eine fantastische Geschichte: Eine Gruppe von Wissenschaftlern wird mit einer Kanone auf den Mond geschossen. Auf dem fernen Planeten treffen sie nicht nur auf einen Mondkönig und seine Untertanen, die sich bei der kleinsten Berührung auflösen, sie nehmen auch durch Zufall einen Außerirdischen als „Beweisstück“ auf die Erde mit. Der utopische Streifen nach Motiven von Jules Verne und H. G. Wells stammt von Marie Georges Méliès, der insgesamt über 500 Filme drehte. Der französische Filmemacher war ursprünglich professioneller Zauberkünstler, und so verblüffte er seine Zuschauer mit zahlreichen Trickeffekten wie etwa unsichtbaren Leinen, die Darsteller zum „Schweben“ brachten. Auch neue visuelle Effekte wie zum Beispiel Doppelbelichtungen setzte er ein. Darüber hinaus übernahm Méliès bei diesem frühen Werk nicht nur die Regie, sondern war gleichzeitig auch Produzent, Drehbuchautor und sogar Hauptdarsteller.
Der Trickfilm „Balance“ von Christoph und Wolfgang Lauenstein entstand an der Kunsthochschule Kassel. Er gewann 1989 den Oscar in der Kategorie „Bester animierter Kurzfilm“ sowie den Deutschen Filmpreis in Silber. Der Film zeigt eine Gruppe von menschenähnlichen Gestalten, die sich auf einer frei schwebenden Plattform befinden. Bei Bewegungen müssen sie darauf achten, im Gleichgewicht zu bleiben, da die Platte sich sonst neigt und sie herunterstürzen. Einer der Gestalten gelingt es, eine Truhe aus dem umgebenden Raum auf die Platte zu holen. Aus der Truhe erklingt Musik. Als jede der Gestalten die Truhe für sich haben will, entbrennt ein Kampf, aus dem am Ende kein Sieger hervorgeht. Mit minimalem Aufwand erzeugt der Film eine unheimliche, surreale Atmosphäre. Dabei vermittelt er eine universal verständliche Botschaft.
Wieder zurück in die Frühzeit des Kinos geht es mit dem Abenteuerfilm „Die Augen der Mumie Mâ“ von Ernst Lubitsch aus dem Jahr 1918. Der Maler Alfred Wendland befindet sich auf einer Reise durch den Orient und möchte das Grab der Mumie Mâ besuchen. Ein Kranker warnt ihn mit den Worten „Die Augen leben! Die Augen leben!“ Vergeblich sucht Wendland einen Führer, der ihn zum Grab der Mumie bringt. Als er allein dort ankommt, findet er einen Wächter namens Radu vor der Grabkammer. Was er in der Grabkammer entdeckt und welche dramatische Wendung die Geschichte nimmt, zeigt der Film in schon fast abendfüllenden 63 Minuten. Am Ende erfüllt sich jedenfalls die Legende von der „Rache der Pharaonen“.
Der „Laster der Nacht“
Seit 1999 rollt der Laster der Nacht, ein zum Kinomobil umgebauter Oldtimer. Der Magirus Deutz, Modell 1958, enthält die gesamte Kino-, Ton- und Lichttechnik und ist damit Transportmittel und Kulisse, fahrende Umkleidekabine, Werkstatt, Garderobe und Einspielraum, Bandbus, Gepäckaufbewahrung, Leinwandhalter, Hotelzimmer und Unterstand in einem. Blickfang und Markenzeichen zugleich, verwandelt der Laster der Nacht jeden Ort in ein Freiluftkino mit nostalgischem Flair.
Der Wanderkino e. V. hat sich die Verbreitung und Präsentation von Filmen, die die Filmgeschichte geprägt und beeinflusst haben, zur Aufgabe gemacht. So werden zum Beispiel frühe Dokumentationen, experimentelle Filmen und Stummfilmklassiker gezeigt.
Insbesondere zu den Stummfilmen gehört die musikalische Begleitung durch Geige und Klavier, die ebenfalls im „Laster der Nacht“ mitgebracht wird. Tobias Rank (Klavier/Harmonium) und Gunthard Stephan (Geige/Bratsche) — die beiden Macher des Wanderkinos — übernehmen diesen Part und schaffen mit ihren Arrangements und Improvisationen eine Atmosphäre, die an die Pionierzeiten des Kinos erinnert.
Das Wanderkino gastierte bereits in Frankreich, Polen, Litauen, Slowenien und in der Schweiz sowie in zahlreichen deutschen Städten und Urlaubsorten.
Das Besucherzentrum Arche Nebra ist bis zum Beginn des Kinoprogramms um 20.30 Uhr geöffnet. Eintritt 7,00 €, ermäßigt 3,50 €. Der Eintritt zu den Filmvorstellungen beträgt ebenfalls 7,00 € pro Person. Getränke und kleine Speisen bietet der Cateringservice der Arche Nebra an.
Information:
T: 034461-25750
info(at)himmelsscheibe-erleben.de
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