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08.04.2011

Ötzi — Tod im Eis

Arche Nebra präsentiert die letzten 33 Stunden des „Mannes aus dem Eis“ als prähistorischen Krimi

Ab sofort wird es kalt in der Arche Nebra: Im Panoramasaal des Besucherzentrums am Fundort der Himmelsscheibe von Nebra sieht es winterlich weiß aus, und vor dem großen Fenster scheinen Nebelschwaden zu wabern. Irgendwo im undurchdringlichen Weiß ist ein Mensch zu erahnen. Und plötzlich schwirrt ein Pfeil durch die Luft…

Ein prähistorischer Kriminalfall
„Ötzi — Tod im Eis“ heißt die neue Sonderpräsentation, die ab 14. April 2011 in der Arche Nebra zu sehen ist. Der berühmte Mann aus dem Eis, der 1991 in den Ötztaler Alpen gefunden und schon kurze Zeit später liebevoll „Ötzi“ genannt wurde, ist bis heute eine Sensation. Anlässlich des 20. Jahrestages seiner Auffindung erzählt die Arche Nebra die letzten 33 Stunden Ötzis. Das Ausstellungsformat ist ungewöhnlich: Der Raum ist als „Tatort“ inszeniert, die Geschichte als Krimi. Bodenpodeste deuten die Steinrinne an, in der Ötzi auf über 3200 m Höhe entdeckt wurde. Dahinter ragen Vitrinen auf wie stilisierte Berge.

Was ist passiert vor 5300 Jahren? Heute weiß man: Ötzi wurde ermordet. Es gibt eine Reihe von „Indizien“, die dafür sprechen, dass Ötzi auf der Flucht war. Bereits verletzt an der rechten Hand â€” eine Verletzung, die typischerweise bei Abwehr im Nahkampf entsteht â€” stieg er auf in Richtung Tisenjoch. Seine Ausrüstung war zweckmäßig, aber zum Teil unfertig oder beschädigt. So war zum Beispiel von den 14 Pfeilen in seinem Köcher keiner schussbereit. Sein Bogenstab war noch nie gespannt worden, und eine geeignete Sehne wurde auch nicht gefunden. Tödlich getroffen wurde er von hinten durch einen Pfeil â€” in seiner Schulter steckte noch die Pfeilspitze. Brüche und Risse des Schädelknochens, eine Prellung des Gehirns und ein Bluterguss in der rechten Gesichtshälfte könnten von einem heftigen Schlag auf den Kopf stammen. Überdies war der Kinnriemen an Ötzis Mütze gerissen und die Mütze fand sich lose neben seinem Kopf.

Ein Toter erzählt vom Leben
Alle Indizien für Ötzis Ermordung sind in der Arche Nebra zu sehen: Nachbildungen der rekonstruierten Kleidung und Ausrüstung Ötzis, eine Figur des lebenden Ötzi sowie die Ergebnisse der seit 20 Jahren laufenden wissenschaftlichen Untersuchungen an der Mumie. Gleichzeitig erzählen die Indizien aber noch mehr: Sie vermitteln ein Bild vom Leben des berühmten Alpenbewohners vor 5300 Jahren. Dies war die eigentliche wissenschaftliche Sensation der Ötzi-Entdeckung: Nie zuvor wurde ein so gut erhaltener Körper eines jungsteinzeitlichen Menschen mitsamt seiner kompletten Ausrüstung gefunden. Reste von Kleidungsstücken sind sehr seltene archäologische Funde â€” bei Ötzi konnten Fellmantel und Beinkleider aus Schafsfell, Lendenschurz mit Gürtel, raffinierte dreilagige Schuhe und eine halbkugelige Mütze aus Bärenfell geborgen und rekonstruiert werden. Sowohl die Kleidung als auch die übrige Ausrüstung zeigt eine perfekte Anpassung an die alpine Umgebung. Ötzi war in der Lage, sich längere Zeit abseits von Siedlungen aufzuhalten und sich selbst zu versorgen. Mit Pfeil und Bogen konnte er bis zu 50 m entferntes Wild erlegen. Ein „Werkzeug-Set“ aus Feuersteingeräten und Knochenahle diente ihm zum Reparieren oder Ersetzen beschädigter Ausrüstungsgegenstände. Zunderschwamm war unentbehrlich zum Feuermachen. Und sogar eine „Notfall-Apotheke“, bestehend aus Bestandteilen des Birkenporlings, trug Ötzi bei sich; dieser Baumschwamm wirkt u. a. entzündungshemmend.

Ötzi und die Himmelsscheibe? â€” Die Idee zur Ausstellung
Die Idee für die Inszenierung der Sonderschau „Ötzi — Tod im Eis“ und der innovative Erklärungsansatz für die Kriminalgeschichte rund um die Ermordung Ötzis stammen von Karol Schauer, der u. a. für das Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle zahlreiche Ausstellungen umgesetzt hat, so zum Beispiel auch die jüngste Schau „Elefantenreich“. Die Nachbildungen des lebenden Ötzi sowie seiner Ausrüstung sind Leihgaben des Neanderthal Museums und Bestandteile einer Wanderausstellung, die vom Neanderthal Museum und dem Magazin GEO entwickelt wurde. Ergänzt werden sie durch kupferzeitliche Funde aus Mitteldeutschland, die Leihgaben des Landesmuseums für Vorgeschichte sind. In Ötzis Epoche, der Kupferzeit, verbreitete sich die Metallurgie in ganz Europa. Auf ihrer Grundlage entstanden die bronzezeitlichen Kulturen, die eineinhalb Jahrtausende nach Ötzi die Himmelsscheibe von Nebra hervorbrachten.

Ötzi und die Himmelsscheibe â€” zwei Meilensteine der Archäologie â€” sind in renommierten Museen, im Südtiroler Archäologiemuseum in Bozen und im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle, zu sehen. In der Arche Nebra begegnen sich ihre Geschichten zum ersten Mal unter einem Dach. Beide Funde lassen erstaunliche Parallelen erkennen: Ötzi ist wie die Himmelsscheibe von einzigartiger Bedeutung für die Wissenschaft. Beide Funde wurden zunächst ohne archäologische Begleitung geborgen â€” die Himmelsscheibe durch Raubgräber, Ötzi durch Bergsteiger und Gerichtsmediziner. Mit beiden sind schier unglaubliche Kriminalgeschichten verbunden â€” bei Ötzi ein Mord vor 5300 Jahren, bei der Himmelsscheibe die spektakuläre Jagd nach einem verschwundenen Fund. Ebenso wie die Himmelsscheibe ist Ötzi ein weltweit bekannter, vielfach in den Medien thematisierter archäologischer Fund, der bis heute die Fachwelt und die Öffentlichkeit zu faszinieren vermag. Von Anfang an lud der Fund der Mumie auch zu spekulativen Überlegungen ein. Auch die Besucher der Arche Nebra sind deshalb aufgefordert, sich anhand der Indizien ihr eigenes Bild von der Geschichte Ötzis zu machen. Ihre Version des Geschehens können sie am Ende ihres Rundgangs in einem „Zeugenaussagenbuch“ niederschreiben.

Ein umfangreiches Begleitprogramm mit Vorträgen, öffentlichen Führungen und Workshops, z. B. zu Bogenbau, Keramikherstellung oder Kochen und Backen wie zu Ötzis Zeiten, ergänzt die Sonderschau. Jederzeit buchbar ist die Aktion „Steinzeit — Abenteuer Überleben“, die Gelegenheit bietet, Hand an Ötzis Ausrüstung zu legen und beim Bogenschießen und Feuermachen das eigene Geschick in Steinzeittechniken zu erproben. Neu und speziell für Kinder ab zehn Jahren entwickelt wurde eine Kinder-Führung durch die Ötzi-Präsentation: „SOKO Ötzi â€” Auf Spurensuche in der Jungsteinzeit“. Regelmäßig an den Wochenenden um 15.15 Uhr werden öffentliche Führungen angeboten. â€žÃ–tzi — Tod im Eis“ ist täglich geöffnet.

Eine Ausstellung in Kooperation mit dem Neanderthal Museum und GEO
Mit freundlicher Unterstützung der ÖSA-Versicherungen.

Kontakt:
Arche Nebra â€” Die Himmelsscheibe erleben
Manuela Werner (PR + Marketing)
An der Steinklöbe 16
06642 Nebra OT Kleinwangen

T: 034461-2552-20
F: 034461-2552-17
werner(at)himmelsscheibe-erleben.de
www.himmelsscheibe-erleben.de