< â€žDie Himmelsscheibe erleben“ mit Audioguide
09.03.2010

Von Zeit zu Zeit — Allgegenwärtig und unbegreifbar

Arche Nebra zeigt neue Sonderpräsentation zum Thema „Zeit“

Sie läuft, drängt, verstreicht und zieht sich. Wir gehen mit ihr, verlieren und gewinnen sie, vertreiben sie, schinden sie, (ver)missen sie und (ver)messen sie - die Zeit. „Von Zeit zu Zeit â€” Allgegenwärtig und unbegreifbar“ heißt die neue Sonderpräsentation, die ab 11. März 2010 im Besucherzentrum Arche Nebra am Fundort der Himmelsscheibe von Nebra zu sehen ist.

Was ist Zeit? Unterschiedliche Lesarten und Wissenswertes rund um die Zeit gibt es in der Präsentation zu entdecken. Dabei werden philosophische Fragen und hochkomplizierte Zusammenhänge wie etwa Albert Einsteins Relativitätstheorie, die Theorie vom Urknall, die Entstehung der Zeitzonen der Erde, die Zeitrechnung unterschiedlicher Kulturen und vieles mehr allgemein verständlich und mit einer Prise Humor thematisiert.

Zeitmessung â€” Uhren und Kalender
Zeit ist „objektiv“ messbar â€” mit Uhren und Kalendern. Die heute in zivilisierten Gesellschaften überwiegend genutzten Zeitmaße sind astronomischen Ursprungs. Die sich aus der Beobachtung der Sonne und des Mondes ergebenden Zeiteinteilungen in Tage, Monate und Jahre setzte der Mensch im Laufe der Zeit in verschiedene Systeme zur Zeitmessung um. So entstand zum Beispiel das Sonnenobservatorium in Goseck in der Jungsteinzeit, die Himmelsscheibe von Nebra in der frühen Bronzezeit und später Sonnenuhren, Sanduhren, mechanische Uhren bis hin zur Atomuhr.

Anhand von historischen Originalobjekten, die von Museen und wissenschaftlichen Einrichtungen als Leihgaben zur Verfügung gestellt wurden, werden unterschiedliche kulturelle Lösungen für die Zeiteinteilung vorgestellt. Ältestes Objekt in der Schau ist ein Astrolabium aus dem 13. Jahrhundert. Astrolabien sind zweidimensionale astronomische Weltmodelle. Mit diesen Geräten und ihrem ausgeklügelten Mess-System war es möglich, beispielsweise die Höhe von Gestirnen, Auf- und Untergangszeiten von Sternen oder aus der Position eines Gestirns das Datum bzw. die Zeit zu ermitteln.
Astrolabien wurden auch in der Seefahrt eingesetzt. Da die Beobachtung der Gestirne und die Berechnung von Zeiten und Positionen für die Seefahrer lebenswichtig war â€” und ist â€” wurden die Instrumente im Laufe der Zeit weiter verbessert. Ebenfalls in der Sonderpräsentation zu sehen sind neuere Messinstrumente wie ein Sextant (um 1813) und ein Marinechronometer, der bei der zweiten deutschen Südpolexpedition von 1911 bis 1913 mit von der Partie war.
Weniger lebenswichtig, aber nützlich war wohl die Kanzeluhr aus dem Jahr 1716, die dem predigenden Pfarrer in Form von vier Sanduhren anzeigte, wie viel Zeit vergangen war seit dem Beginn seiner Predigt und vor allem, wie viel Zeit er noch hatte â€” und ob er sich sputen musste, um zum Ende zu kommen.
Einen eher entspannten Umgang mit der Zeit im adeligen 18. Jahrhundert demonstriert die „Mittagskanone“ aus dem Jahr 1750, bei der sich â€” ausgelöst durch die Sonne â€” um 12 Uhr ein Schuss löst â€” zur großen Freude der müßigen Gesellschaft, in deren Besitz die Kanone sich wahrscheinlich befand.
Beispielhaft für eine völlig andere â€” revolutionäre â€” Zeiteinteilung steht die Dezimaluhr aus der Zeit der französischen Revolution. Im Zuge der Einführung eines „Revolutionskalenders“ war auch eine neue Einteilung des Tages vorgesehen. Der Tag hatte 10 Stunden zu je 100 Minuten. Zur besseren Orientierung hat die Dezimaluhr zwei Ziffernblätter und zeigt sowohl die alte als auch die dezimale Zeiteinteilung.

Zeitempfinden â€” Wie lange dauert was?
Zeit wird aber nicht nur gemessen, sondern jeder einzelne Mensch erlebt, erfährt und fühlt sie. Wie lange braucht zum Beispiel das menschliche Herz, um das Blut durch den gesamten Kreislauf zu pumpen? Wie lange braucht eine Radiowelle, um von der Erde zum Mars und zurück zu gelangen? Wie lange träumt der Mensch nachts? Oder auch: Wie lautet der Weltrekord im statischen Apnoetauchen? Kein Mensch denkt gern daran, dass sein Leben endlich ist, aber gegenüber dem Alter der Sonne oder des ältesten Baums in Sachsen-Anhalt drängt sich diese Erkenntnis auf. Lebenszeit ist relativ. Das wird deutlich, wenn die durchschnittliche menschliche Lebenserwartung der Lebenserwartung verschiedener Tieren â€” von der Vogelspinne bis zur Eule â€” oder der „Lebenszeit“ roter Blutkörperchen oder Spermien gegenüber gestellt wird.

Damit die Zeit erlebbar wird, legt die Sonderpräsentation besonderes Augenmerk auf Interaktivität: Nicht nur Sehen und Lesen, sondern Anfassen und Ausprobieren stehen auf dem Programm. Das recht abstrakte Phänomen der Zeit wird so „greifbar“. Experimentierstationen verdeutlichen zum Beispiel den Lauf der Sonne und die Entstehung der Jahreszeiten oder die unterschiedlichen Gestalten des Mondes während eines Monats. Mit dem ewigen Kalender kann jeder herausfinden, an welchem Wochentag er geboren ist. Zum Ausprobieren und Testen der Dauer eines Sprungs oder der eigenen Reaktionszeit stehen ebenfalls Stationen bereit. Schließlich sind die Besucher dazu eingeladen, das eigene Zeitempfinden zu ergründen und sich zum Beispiel die Frage zu stellen: Wie spät ist es in meinem Bauch?

Die Konzeption und die unkonventionelle Gestaltung der Ausstellung wurde von dem Schweizer Designer und Szenograph Ralph Kaiser (studio KO, Yverdon) entwickelt. Sie kommt als Leihgabe des Espace des Inventions in Lausanne nach Nebra. „Die Ausstellung passt perfekt in die Arche Nebra“, äußert sich Bettina Pfaff, Geschäftsführerin der Arche Nebra, erfreut über das Zustandekommen der Kooperation, „unkonventionell und interaktiv, modern und bunt in der Gestaltung â€” so wie die Dauerpräsentation zur Himmelsscheibe von Nebra auch.“ 2008/2009 wurde die Ausstellung unter dem Titel „Des temps en temps“ bereits in der Schweiz erfolgreich gezeigt. Ausstellungsorte waren das Espace des Inventions in Lausanne und das Musée d'histoire des Sciences in Genf.

Kontakt:
Arche Nebra â€” Die Himmelsscheibe erleben
An der Steinklöbe 16
06642 Wangen

T: 034461-2552-20
F: 034461-2552-17
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