Interpretation und Bedeutung

Weltbild der Bronzezeit
Weltbild der Bronzezeit – Copyright: Karol Schauer, LDA Sachsen-Anhalt

Die Himmelsscheibe diente nach derzeitigen Erkenntnissen als astronomische Erinnerungsstütze – als Memogramm – für diejenigen, die den Himmel der Bronzezeit beobachteten. Die Plejaden konnten zur Bestimmung des Zeitpunkts von Aussaat und Ernte und damit zur Strukturierung des bäuerlichen Jahres genutzt werden. Dieser Zusammenhang wird vom griechischen Dichter Hesiod überliefert und ist wahrscheinlich bereits seit dem Beginn der Jungsteinzeit bekannt.

Die astronomischen Untersuchungen des Astronomen Wolfhard Schlosser haben unter anderem gezeigt, dass die seitlichen Horizontbögen die Auf- und Untergangspunkte der Sonne im Verlauf eines Jahres markieren und dass ihre Enden gleichzeitig auf markante Punkte weisen, die sich vom Fundort der Himmelsscheibe auf dem Mittelbergplateau aus anvisieren lassen.

Nach der Interpretation des Astronomen Rahlf Hansen verschlüsselt die Himmelsscheibe darüber hinaus eine komplexe Schaltregel, die dazu diente, Sonnen- und Mondjahr in Einklang zu bringen. Die abstrakten Darstellungen auf der Scheibe sind außergewöhnlich, weil sie jahrzehntelange präzise Himmelsbeobachtungen und einen hohen Abstraktionsgrad voraussetzen, den man bislang bei bronzezeitlichen Menschen außerhalb der Hochkulturen im Vorderen Orient nicht vermutet hatte. Außerdem lassen sie Rückschlüsse auf das bronzezeitliche Weltbild zu: Wie eine Kuppel wölbt sich der Himmel über eine flache Erde.