< 100.000. Besucherin in der Arche Nebra begrüßt
29.04.2009

Codiert für die Ewigkeit — Himmelsscheibe und Voyager Golden Record

Arche Nebra zeigt erste Sonderpräsentation anlässlich des Internationalen Astronomiejahrs 2009

Goldene Schallplatte © NASA/JPL

Installation der Schallplatte an der Raumsonde Voyager © NASA-KSC

1977 wurde eine „kosmische Flaschenpost“ ins All entsandt: Zusammen mit den Raumsonden Voyager I und II schickten sich zwei identische Goldene Schallplatten mit verschlüsselten Botschaften an, das Sonnensystem zu verlassen. Eine andere Scheibe mit verschlüsselten Informationen wurde vor zehn Jahren in Wangen bei Nebra im südlichen Sachsen-Anhalt gefunden: die mehr als 3600 Jahre alte Himmelsscheibe von Nebra, die erstaunliche astronomische Kenntnisse der bronzezeitlichen Menschen offenbart hat. Das Besucherzentrum Arche Nebra am Fundort der Himmelsscheibe zeigt ab 1. Mai 2009 eine erste Sonderpräsentation und vergleicht die sogenannte Voyager Golden Record mit der Himmelsscheibe von Nebra: Codiert für die Ewigkeit.

Schon der Form nach weisen die beiden „Himmelsscheiben“ verblüffende Parallelen auf. Sie sind fast gleich groß — etwa 32 cm im Durchmesser — und beide aus dauerhaften Materialien — Kupfer und Gold — hergestellt. Die größte Ähnlichkeit liegt jedoch in den abstrakten Zeichen und Bildern auf beiden Scheiben, die jeweils codierte Informationen bergen.

Die Himmelsscheibe von Nebra entstand in einer Kultur ohne Schrift, in der Wissen und Traditionen mündlich überliefert wurden. Sie zeigt die älteste bislang bekannte Darstellung des Kosmos weltweit und diente offenbar als bildhafte Gedächtnisstütze für die Überlieferung astronomischer Kenntnisse. Sie verschlüsselt eine komplexe Schaltregel zur Verknüpfung von Sonnen- und Mondjahr, gibt Hinweise auf die Termine von Aussaat und Ernte und zeigt den Horizontdurchlauf der Sonne über das Jahr. Damit hat die Himmelsscheibe einen unerwarteten Einblick in das Weltbild der Bronzezeit geliefert. Doch nur diejenigen, die den Code kannten, verstanden die Darstellungen auf der Himmelsscheibe. Veränderungen, wie zum Beispiel das Hinzufügen von Horizontbögen an den Seiten und das Versetzen oder Überdecken einzelner Sterne, deuten darauf hin, dass spätere Nutzer schon in der Bronzezeit den Code nicht mehr vollständig enträtseln konnten.

Während die Symbole auf der Himmelsscheibe von Nebra eine Anleitung für die Berechnung eines Himmelskalenders sind, dienen die Bildzeichen auf der Schutzhülle der Voyager Golden Record als Anleitung für Außerirdische zum Abspielen der Schallplatte. Bei der Schallplatte selbst handelt es sich um eine Datenplatte, auf der analoge Tondokumente, Bilder und Grußbotschaften in verschiedenen Sprachen gespeichert sind. Sie wurde — komplett mit Schutzhülle, Tonabnehmer und Nadel — an die Außenhülle der Raumsonden Voyager I und II montiert, um möglichen außerirdischen Findern ein Bild vom Leben auf der Erde zu übermitteln. 2004 und 2007 haben die Sonden auf ihrer Forschungsmission das Sonnensystem verlassen und befinden sich nun im interstellaren Raum. Die Stromversorgung an Bord für die Übertragung von Daten wird noch bis etwa 2020 reichen.

Die Gegenüberstellung dieser alten und neuen Himmelsscheibe wirft Fragen auf nach den Möglichkeiten und Grenzen von Kommunikation im Angesicht von Raum und Zeit. Die auf der Himmelsscheibe codierten Informationen und das in ihnen enthaltene Weltbild konnten heutige Wissenschaftler nur mühsam entschlüsseln. Es war allerdings auch nicht die Intention der Hersteller und Nutzer der Himmelsscheibe, eine „Zeitkapsel“ für heutige Archäologen zu hinterlegen — sie schufen die Himmelsscheibe für ihre direkten Nachkommen und vergruben sie später für ihre Götter. Ganz anders bei der Voyager Golden Record, mit der bewusst die Kommunikation mit fremden Kulturen der Zukunft gesucht wird. Doch während den Betrachter von heute „nur“ 3600 Jahre von dem Gedankenhorizont des Schöpfers der Nebra-Scheibe trennen, müssen mögliche außerirdische Finder der Goldenen Schallplatte in fernen Sonnensystemen vermutet werden, die zu erreichen Jahrmillionen dauern könnte. Ob diese dann den Code entschlüsseln und wie sie die Bilder und Klänge interpretieren, hängt davon ab, wie hoch der Grad ihrer Entwicklung ist und ob ihre Denkweise der menschlichen entspricht.

Eine Entdeckung der Voyager Golden Record durch außerirdische Zivilisationen in den Weiten des Alls ist noch unendlich viel unwahrscheinlicher als der überraschende Sensationsfund von Nebra im Jahr 1999. Doch unabhängig davon spricht aus beiden „Himmelsscheiben“ der zeitlose Wunsch des Menschen, ein Stück der eigenen Kultur zu bewahren und in die jeweilige „Ewigkeit“ zu entsenden.

Da die originalen Goldenen Schallplatten auf ewig durch den interstellaren Raum fliegen, sind in der Sonderpräsentation eigens dafür angefertigte Repliken der Voyager Golden Record samt dem Cover zu sehen. Diesen wird als herausragendes Exponat die Masterkopie der Himmelsscheibe von Nebra gegenübergestellt, die nur sehr selten gezeigt wird (so z. B. auf der Weltausstellung in Nagoya 2005, Global House). Die Masterkopie — eine Leihgabe des Landesmuseums für Vorgeschichte in Halle — ist sehr aufwändig und sorgfältig gefertigt und bildet die originale Himmelsscheibe so exakt nach wie keine andere Kopie. Medienstationen ermöglichen den Besuchern, die Inhalte der Voyager Golden Record zu betrachten und anzuhören. Auf der Goldenen Schallplatte befinden sich 116 Bilder, 27 Musiktitel, ein Klang-Essay mit Geräuschen von der Erde sowie Grüße in 55 verschiedenen Sprachen. Schließlich sind die Besucher dazu eingeladen, selbst einen Text zu decodieren. Zu großem Dank ist die Arche Nebra dem Landesmuseum für Vorgeschichte verpflichtet. Nicht nur die Leihgabe der Masterkopie, sondern auch die große fachliche und personelle Unterstützung bei der Umsetzung der Präsentation ermöglicht „Codiert durch die Ewigkeit“.

Das Besucherzentrum Arche Nebra wurde im Juni 2007 eröffnet und hat bislang fast 200.000 Besucher gezählt. Eine moderne, multimediale Präsentation gibt im Zusammenspiel von wissenschaftlichen Informationen und lebendigen Inszenierungen Einblick in die komplexen Zusammenhänge rund um die Himmelsscheibe von Nebra. Herzstück der Arche Nebra ist das Planetarium. Die Show führt auf eine erstaunliche Reise in das Universum der Bronzezeit: Unter der Planetariumskuppel wird das faszinierende astronomische Wissen begreifbar, das auf der Himmelsscheibe verschlüsselt ist. Darüber hinaus können die Besucher den authentischen Fundort der berühmten Bronzescheibe entdecken.


Öffnungszeiten der Sonderpräsentation

1. Mai—9. August 2009
Täglich 10-18 Uhr

Eintritt

Sonderpräsentation:
Erwachsene 3,00 €, ermäßigt 1,50 €
Gruppen ab 12 Personen 2,50 €/Person
Familien (2 Erwachsene + 4 Kinder) 6,00 €

Kombi-Ticket (mit Dauerpräsentation und Planetariumsshow):
Erwachsene 9,00 €, ermäßigt 5,00 €
Gruppen ab 12 Personen 8,00 €/Person
Familien (2 Erwachsene + 4 Kinder) 20,00 €

Kontakt:
Arche Nebra — Die Himmelsscheibe erleben
An der Steinklöbe 16
06642 Wangen

T: 034461-25520
F: 034461-255217
Öffnet ein Fenster zum Versenden der E-Mailinfo(at)himmelsscheibe-erleben.de
Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.himmelsscheibe-erleben.de

 

Begleitprogramm zur Sonderpräsentation „Codiert für die Ewigkeit“

1. Führungen (nach Voranmeldung):
Dauer: 30 Minuten
Preis: 2,00/Person (bei Gruppen von weniger als 12 Personen 24,00 €), zzgl. Eintritt in die Sonderpräsentation

Kombi-Angebot:
Als Ergänzung zu einer anderen gebuchten Führung oder Aktion in der Arche Nebra kostet die Führung durch die Sonderpräsentation nur 1,50 €/Person, zzgl. Eintritt.

2. Vorträge:

  • Mi, 06.05.2009, 19.30 Uhr:
    Sind wir allein im All?
    Prof. Dr. Ralph Neuhäuser (Friedrich-Schiller-Universität Jena)
  • Mi, 03.06.2009, 19.30 Uhr:
    Kommunikation mit außerirdischer Intelligenz
    Wilfried Tost (Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt, Berlin)
  • So, 21.06.2009 (Sommersonnenwende), 17.00 Uhr:
    Auf Galileis Spuren in der Toskana
    Prof. Dr. Dieter B. Herrmann (Berlin)
  • Mi, 01.07.2009, 19.30 Uhr:
    Die Forschungsergebnisse der Voyager-Mission
    Dr. Roland Wagner (Deutsches Zentrum für Luft und Raumfahrt, Berlin)

Vollständiges Vortragsprogramm des Jahres 2009 unter www.himmelsscheibe-erleben.de/sonderpraesentationen_2009/vortraege/

3. Aktion „Flaschenpost“
Die Himmelsscheibe und die Goldene Schallplatte bewahren ein Bild ihrer Zeit für die Ewigkeit. Wie würde unsere Botschaft aussehen? Bei dieser Aktion erkunden die Teilnehmer die Sonderpräsentation „Codiert für die Ewigkeit“ und lassen eine „Flaschenpost“ in den Himmel steigen.

  • Geeignet für Kinder ab 8 Jahren, auf Wunsch auch für Erwachsene möglich
  • Dauer: 60 Minuten
  • Preis: 2,50 €/Person (bei Gruppen von weniger als 7 Personen 17,50 €), zzgl. Eintritt in die Sonderpräsentation

Kombi-Angebot:
Als Ergänzung zu einer anderen gebuchten Führung oder Aktion in der Arche Nebra kostet die Aktion „Flaschenpost“ nur 2,00 €/Person, zzgl. Eintritt.