Vortrag:

Archäologie des Krieges – Die dunkle Seite der Menschheit

Aus Anlass der neuen Sonderausstellung »Krieg – eine archäologische Spurensuche« im Landesmuseum für Vorgeschichte Halle (6.11.2015–22.5.2016)
Massengrab vom Lützener Schlachtfeld – Copyright: LDA Sachsen-Anhalt, Foto: J. Lipták Massengrab vom Lützener Schlachtfeld – Copyright: LDA Sachsen-Anhalt, Foto: J. Lipták

Referent: Dr. Michael Schefzik (LDA Sachsen-Anhalt)

Kosten

4,00 € pro Person

Information

T: 034461-25520
info(at)himmelsscheibe-erleben.de


47 Tote in einem Massengrab – das sind die einzigen Opfer, die bisher von einer der verlustreichsten Schlachten des 30jährigen Krieges gefunden werden konnten. Sie gehören zu den 6.500 Opfern, die 1632 neben dem schwedischen König in Lützen bei Leipzig ihr Leben ließen. Als tonnenschwerer Erdblock gehoben, im Labor präpariert und mit modernsten bioarchäologischen Methoden untersucht, steht das Grab im Zentrum der Sonderausstellung »Krieg – Eine archäologische Spurensuche« im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle. Der hervorragend erhaltene, eindrucksvolle Befund bietet dank modernster Untersuchungstechnik die einmalige Chance, jedem der namenlosen Toten wieder ein Gesicht und eine Identität zu geben.

Dr. Michael Schefzik, der Projektleiter und einer der Kuratoren der Ausstellung, geht aber noch einen Schritt weiter. In seinem Vortrag »Archäologie des Krieges – Die dunkle Seite der Menschheit« am Mittwoch, 11. November 2015, in der Arche Nebra, zeigt er ausgehend von dem Lützener Befund auf, was mit archäologischen Methoden zu den Ursprüngen des Phänomens »Krieg« gesagt werden kann. Spuren an menschlichen Skeletten altsteinzeitlicher Jäger und Sammler scheinen zu belegen, dass es schon immer Aggression und Gewalt unter den Menschen gegeben hat. Aber ist das auch schon »Krieg«? Von wirklichen kriegerischen Auseinandersetzungen sprechen Archäologen erst ab der Jungsteinzeit, in der der Mensch sesshaft wurde, an Land und Haus gebunden war und demzufolge Vorstellungen von Besitz entstanden sein müssen. Im Laufe der folgenden Jahrtausende bildet sich schließlich ein eigener Stand von Kriegern heraus. Sie verfügen über ein besonderes Selbstverständnis und zeichnen sich durch eine spezialisierte Bewaffnung aus. Auch Kriegstechnik, Strategie und Taktik entwickeln sich stetig weiter. Zeitlos bleibt das Leid der Menschen im Krieg.

Die archäologische Erforschung des Phänomens „Krieg“ hat in den letzten 20 Jahren enorme Fortschritte gemacht: Schlachtfelder und Befestigungen wurden ausgegraben, Massengräber geborgen, unzählige Skelette mit Verletzungsspuren untersucht, Waffen sowie bildhafte Darstellungen und historische Texte analysiert – mit fundamentalem Erkenntnisgewinn. Dr. Michael Schefzik zeigt an ausgewählten Beispielen die wichtigsten Aspekte dieser Forschungen.

Dr. Michael Schefzik ist Referatsleiter und stellvertretender Abteilungsleiter für Ausstellungen, Öffentlichkeitsarbeit und Marketing am Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle. Er studierte Vor- und Frühgeschichte, provinzialrömische Archäologie und Ethnologie in München und Kiel. Der Archäologe war an zahlreichen Grabungen im In- und Ausland, u.a. in Sri Lanka, Nepal, in der Mongolei, in Jordanien und Israel beteiligt. Seit 2003 ist er am Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt tätig.