Vortrag:

Archäologie regional: Salzmünde – Ein 5300 Jahre alter Kriminalfall

Referentin: Dr. Susanne Friederich (Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt)

Aus Anlass der Sonderausstellung »3300 BC – Mysteriöse Steinzeittote und ihre Welt« ab 14. November 2013 im Landesmuseum für Vorgeschichte Halle

Kosten: 3,00 €

Information

T: 034461-25520
info(at)himmelsscheibe-erleben.de


Auf dem Plateau oberhalb des Zusammenflusses der Salza und der Saale dominierte um 3300 v.Chr. ein Doppelgrabenwerk von fast 40 Hektar Grundfläche. Heute finden Archäologen dort menschliche Überreste in Gruben voller Scherben und hunderte Schädel in den kilometerlangen Umfassungsgräben rund um die riesige Anlage. Dutzende Bestattungen wurden aufgefunden: Die Toten sind teils sorglos in Abfallgruben niedergelegt worden, teilweise sind sie regulär bestattet – sorgfältig auf Muscheln gebettet oder mit Werkzeugbeigaben. Einige Skelette zeigen Spuren massiver Gewalt, und auch einzelne Knochen oder Gliedmaßen, die offenbar planvoll verteilt wurden, kamen zutage. Eine Grube mit neun Toten – eine Kollektivbestattung von vier erwachsenen Frauen und fünf Kindern – wirft besonders viele Fragen auf. Brandspuren an den Knochen lassen an einen Hausbrand mit qualvoller Erstickung denken. Denkbar wäre aber auch, dass bei diesem Befund das Ergebnis einer kultischen Handlung archäologisch fassbar wird. Katastrophe oder Ritual? – Um den »Fall« aufzuklären, wurden modernste naturwissenschaftliche Methoden eingesetzt.

Dr. Susanne Friederich, Leiterin des Referats Landesweite Aufgaben Bodendenkmalpflege am Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, berichtet aus erster Hand über die erstaunlichen Ergebnisse der Untersuchungen zum Kultplatz von Salzmünde. Die Jungsteinzeit-Spezialistin ist Mitglied des breitgefächerten Forschungsteams, das sich seit 2007 mit dem noch wenig bekannten komplexen Totenkult der sogenannten Salzmünder Kultur beschäftigt. Neben Archäologen sind auch Anthropologen und Ethnologen an diesem Projekt beteiligt.