Vortrag:

Bilderbuch ohne Worte – Skandinaviens Felsbilder als Teil des archäologischen Erbes in Europa

Referent: Dr. Gerhard Milstreu (Tanums Hällristningsmuseum Underslös, Tanumshede/Schweden)
Sonnenpferd von Balken Das Sonnenpferd von Balken
Einmalen von Felsritzungen auf einem Felsen bei Tegneby Einmalen von Felsritzungen auf einem Felsen bei Tegneby

Kosten

Eintritt: 4,00 €

Information

T: 034461-25520
info(at)himmelsscheibe-erleben.de


Die Felsbilder in der Region um Tanum zeigen menschliche Darstellungen, Pferde, Schiffe, Waffen, nichtfigürliche Motive wie Spiralen oder Radkreuze und vieles mehr. Teils scheinen reale Szenen abgebildet zu sein, ebenso lassen sich religiöse Motive vermuten. Die Bilder sind teilweise riesig, während die »Sonne von Aspeberget« mit ca. 45 cm Durchmesser noch überschaubar ist, gibt es z.B. auch eine Schiffsdarstellung von ca. 3 m Länge. Dr. Gerhard Milstreu stellt in seinem Vortrag verschiedene Motive vor und erklärt ihre mögliche Bedeutung. Die bis heute erhaltenen Felsbilder stellen eine gesamteuropäische Bildtradition mit ausgeprägten lokalen Variationen dar. In Jahrtausenden entwickelten sich daraus differenzierte Kommunikationsformen.

»Vorzeitbilder erleben heute eine Renaissance sowohl für die Allgemeinheit als auch in der Fachwissenschaft«, erläutert Milstreu. In Tanum ist man permanent mit der Sicherung und Dokumentation der bronze- und eisenzeitlichen Felsbilder beschäftigt. Schwedische und internationale Archäologen sowie freiwillige Helfer malen die Felsritzungen regelmäßig mit weißer oder roter Farbe aus, um sie besser sichtbar zu machen. Dokumentiert werden sie überdies durch sogenannte Frottagen, indem sie mit Kohle auf große Papierbögen abgepaust werden. Zu den Techniken der Dokumentation und Erhaltung der Felsritzungen bietet das »RockArtResearch Centre« in Tanum jedes Jahr ein einwöchiges Arbeitsseminar an, das sich nicht nur an Fachleute, sondern auch an interessierte Laien richtet.

Der Archäologe Milstreu ist Leiter des Felsbildmuseums in Tanum und betreut federführend in Kooperation mit der Universität Göteborg die Dokumentation der schwedischen Felsbilder. Er gehört zu den Kooperationspartnern des deutsch-schwedisch-dänischen Kooperationsprojekts LEADER-Projekts »Empire of the Sun«, das im letzten Jahr in der Arche Nebra vorgestellt wurde und das zur Vernetzung von ausgewählten archäoastronomischen Fundorten der Bronzezeit – u.a. dem Fundort der Himmelsscheibe von Nebra – über europäische Grenzen hinweg dient.

Bereits ab 11 Uhr findet vor der Arche Nebra ein Familienaktionstag statt. Die Besucher haben die Möglichkeit, Felsbildfrottagen an Modellen anzufertigen, bei einer Grabungsaktion bronzezeitlichen Schmuck auszugraben und sich an »bronzezeitlichen« Speisen zu stärken.