Themenabend:

Bronze – Motor der Geschichte

Weit reichende Handelswege, Wissenstransfer und soziale Differenzierung – der Bedarf an Kupfer und Zinn führte in der ersten Hälfte des zweiten vorchristlichen Jahrtausends zur Entwicklung einer modernen Gesellschaft. Zwei Experten geben Einblick in die maßgeblichen Zentren der Bronzezeit in Europa, deren Einfluss und Entwicklung.
Der Hortfund von Nebra, einer der wichtigsten Funde der europäischen Bronzezeit – Copyright: LDA Sachsen-Anhalt, Foto: J. Lipták Der Hortfund von Nebra, einer der wichtigsten Funde der europäischen Bronzezeit – Copyright: LDA Sachsen-Anhalt, Foto: J. Lipták

Programm:

18 Uhr Führung durch die Sonderschau „Herrscher der Bronzezeit“

18.30 Uhr Vortrag: Bronzezeitliche Herrschaftssymbolik in Europa
Referentin: Prof. Dr. Carola Metzner-Nebelsick (Universität München)

19.30 Uhr Kleiner Imbiss

20.30 Uhr Vortrag: Europa in der Frühbronzezeit
Referent: Prof. Dr. François Bertemes (Universität Halle-Wittenberg)

Kosten

17,50 €, ermäßigt 12,00 € (inkl. Imbiss)
Anmeldung erforderlich

Information und Anmeldung

T: 034461-25520
info(at)himmelsscheibe-erleben.de


Das Programm beginnt um 18 Uhr mit einer Führung durch die Sonderschau »Die Herrscher der Bronzezeit – Wandel der Eliten in Mitteldeutschland«, die noch bis 2. November in der Arche Nebra zu sehen ist. Ein Blick auf die Bestattungen der Fürsten von Helmsdorf und Leubingen oder auf den Hortfund von Dieskau genügt, um zu verstehen, dass die frühbronzezeitlichen Fürsten in der Region um Nebra sich durch überragenden Reichtum und Macht auszeichneten und weitreichende überregionale Kontakte pflegten.

Welcher Symbolik sich möglicherweise auch die »Herrscher der Bronzezeit« bedienten, die in der Sonderschau vorgestellt werden, beleuchtet der Vortrag von Professor Dr. Carola Metzner-Nebelsick. Die Prähistorikerin stellt bronzezeitliche Herrschaftssymbole zwischen Atlantik und Schwarzmeerregion vor. Der zeitliche Schwerpunkt liegt zwischen 1600 v. Chr. – der Zeit der Himmelsscheibe – und 750 v. Chr. Dabei beleuchtet die Expertin bestimmte, als Herrschaftssymbole anzusprechende archäologische Artefakte in ihren jeweiligen Zusammenhängen und erklärt, mit welchen religiös-rituellen Bedeutungen die Objekte jeweils belegt werden. Angesichts des langen Untersuchungszeitraums kann auch gezeigt werden, welchem Wandel die Niederlegungskontexte unterworfen sind. Gleichzeitig lässt die Tatsache, dass manche Herrschaftssymbole über einen langen Zeitraum verbreitet waren, Rückschlüsse auf Herrschaftsstrukturen und auch auf die Vermittlung von Herrschaftsansprüchen zu.

Prof. Dr. Carola Metzner-Nebelsick habilitierte sich 2005 an der Freien Universität Berlin im Fach Prähistorische Archäologie. Seit 2007 ist sie Professorin am Lehrstuhl für Vor- und Frühgeschichte am Institut für Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie und Provinzialrömische Archäologie der Universität München. Zu ihren wissenschaftlichen Schwerpunkten gehören die Erforschung der europäischen Bronzezeit und Eisenzeit, die Archäologie von Reiternomaden, Gräberfeldforschung, Hortfund- und Ritualforschung, Frauen in den vorchristlichen Metallzeiten, Statusrepräsentation und Eliten sowie Sozialstrukturen in der Bronze- und frühen Eisenzeit.

Die »Herrscher der Bronzezeit«, die zurzeit die Besucher der Arche Nebra mit ihren reichen Grabbeigaben in ihren Bann ziehen, geben einen Einblick in die gesellschaftlichen Verhältnisse der Frühbronzezeit. Professor Dr. François Bertemes stellt das Phänomen der sogenannen »Fürsten« von Leubingen, Helmsdorf oder auch Dieskau in einen größeren, europäischen Zusammenhang. Denn in der ersten Hälfte des 2. Jahrtausends v. Chr. befindet sich ganz Europa auf dem Weg zu modernen Gesellschaftsformen. Die Zeit ist geprägt durch die Entstehung von Herrschaftssystemen, von Macht, Prestige und Reichtum, aber auch durch eine gesteigerte Spezialisierung und eine stärkere soziale Differenzierung. Die Hauptrohstoffe der Bronzezeit, Kupfer und Zinn, waren ungleich verteilt. Um in ihren Besitz zu gelangen, bedurfte es weitreichender Kommunikations- und Handelsnetzwerke. Diese wiederum mussten dauerhaft stabilisiert und gesichert werden, was nur über gefestigte Herrschaftsstrukturen möglich war. Um diesen gesellschaftlichen Herausforderungen zu begegnen, griff man europaweit auf ähnliche Strategien zurück, die der Vortrag durch Fallbeispiele beleuchtet.

Prof. Dr. François Bertemes habilitierte sich nach langjähriger wissenschaftlicher Tätigkeit an der Universität des Saarlandes und in diversen internationalen Forschungsprojekten 1997 in Saarbrücken. Seit 1998/99 ist er Professor für Prähistorische Archäologie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg in Halle (Saale). Hierzulande ist Bertemes auch Nichtarchäologen wohlbekannt: Er führte auch die Ausgrabungen der Kreisgrabenanlage von Goseck durch.