Vortrag:

Die Schöninger Speere und das Forschungs- und Erlebniszentrum paläon

Referent: Dr. Florian Westphal (paläon GmbH)
Forschungs- und Erlebniszentrum paläon – Foto: paläon GmbH Das Forschungs- und Erlebniszentrum paläon in Schöningen
Die Schöninger Speere – Foto: paläon GmbH Die Schöninger Speere sind 300.000 Jahre alt – die ältesten erhaltenen Jagdwaffen der Menschheit!

Kosten

Eintritt: 4,00 €

Information

T: 034461-25520
info(at)himmelsscheibe-erleben.de


Entdeckt wurden die Speere im Jahr 1994 im Rahmen einer Rettungsgrabung im Schöninger Tagebau. Inmitten eines Jagdlagerplatzes fanden die Archäologen mehr als 10.000 Knochen von Wildpferden sowie sieben Holzspeere, weitere Speerbruchstücke, eine Lanze und ein Wurfholz. Der Fund war eine echte Weltsensation. Niemals zuvor wurden so alte und vollständig erhaltene Jagdwaffen aus Holz gefunden. Etwa 300.000 Jahre blieben die Fundstücke dank ungewöhnlich günstiger geologischer Verhältnisse erhalten. Die Schöninger Speere sind die bisher ältesten erhaltenen Jagdwaffen der Menschheit. Aus der gesamten Altsteinzeit gibt es weltweit zu den Speeren keine Parallele. Für Archäologen sind die über zwei Meter langen, sorgfältig bearbeiteten Speere ein Erkenntnisschatz. Anhand des gesamten Fundensembles lässt sich die Besiedlungsgeschichte Nordeuropas erläutern. Viele Annahmen über das Leben des Homo heidelbergensis sind nun endlich beweisbar: Planendes Handeln, Kommunikationsvermögen, technologische Fertigkeiten und die Entwicklung von ausgefeilten Jagdstrategien gehörten zu seinen Fähigkeiten. Zudem lebte er in einem durchaus komplexen Sozialgefüge. Damit war er dem modernen Menschen weit näher als bisher gedacht.

Neben der herausragenden Bedeutung der Speere und den aktuellen archäologischen Forschungen im Schöninger Tagebau stellt Dr. Florian Westphal auch das 2013 eröffnete Forschungs- und Erlebniszentrum paläon vor. Im paläon werden die Speere gebührend in Szene gesetzt. Außerdem kann man dort abwechslungsreich, multimedial und interaktiv nachvollziehen, wie und wo der Vorgänger des modernen Menschen, der Homo heidelbergensis, gelebt und gejagt hat.

Dr. Florian Westphal studierte Ur- und Frühgeschichte, Geologie und Nordische Philologie in Kiel. Er promovierte über die Holzfunde der wikingerzeitlichen Siedlung Haithabu im Archäologischen Landesmuseum Schleswig. Im Anschluss daran war er als wissenschaftlicher Bearbeiter des DFG-Projektes »Holzartefakte in kaiserzeitlichen Opfermooren – Das Material aus Thorsberg und Nydam. Dendrochronologische und holzarchäologische Aspekte« tätig. Er arbeitete darüber hinaus am Niedersächsischen Landesmuseum Hannover sowie als Grabungsleiter für Lehrgrabungen im Projekt »Archäologischer Park Heuneburg« am Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart.