Vortrag:

Ewige UN-RUHE – Mumifizierung und Jenseitsvorstellungen im alten Ägypten

Referentin: Dr. Beatrix Gessler-Löhr (Ägyptologin)

Kosten: 3,00 €

Information

T: 034461-25520
info(at)himmelsscheibe-erleben.de

 

Kein Volk der Erde hat die Mumifizierung seiner Toten zum Schutz vor Verwesung in einem solch gigantischen Ausmaß praktiziert wie die alten Ägypter. Dr. Beatrix Gessler-Löhr beantwortet die Frage nach dem Warum: Von frühester Zeit an erhofften die Menschen am Nil ein Weiterleben nach dem Tod. Da ihnen dafür ein intakter und funktionsfähiger Körper erforderlich schien, entwickelten sie im Laufe der Zeit immer bessere Methoden zur Konservierung der Leichname. Kunstvoll einbalsamiert, in Leinenbinden und Tücher gewickelt, mit kostbaren Amuletten, vergoldeten Kopfmasken oder Mumienporträts ausgestattet und oft in mehreren, ineinander geschachtelten Särgen aus reich bemaltem Holz oder in Steinsarkophagen beigesetzt, haben unzählige Mumien in ihren Grabkammern dreitausend Jahre und länger überstanden.

Hinterbliebene und Totenpriester gaben den Verstorbenen Nahrungsmittel, Kleidung und Hausrat, Waffen und Schmuck ebenso wie Kosmetikutensilien und Musikinstrumente mit auf ihre Jenseitsreise, damit sie auch dort mit allem Notwendigen versorgt sein sollten. Dr. Beatrix Gessler-Löhr erläutert, wie es nach der Bestattung für die Verstorbenen weiter ging: Totengericht und Seelenwägung, Gefahren und Bedrohungen durch bösartige Dämonen, die Notwendigkeit von magischen Sprüchen und Verhaltensmaßregeln für die Reise durch die unwegsamen Regionen des Jenseits und schließlich die erhoffte Auferstehung.

Zu den zentralen Jenseitswünschen gehört es, das Grab verlassen zu können, um wohlversorgt in einem paradiesischen Teichgarten im Kreise seiner Lieben zu sitzen und Festgelage bei Musik und Tanz zu feiern. Doch trotz dieser erhofften Jenseitsidylle galt der Tod auch den Ägyptern als Bedrohung und letztlich unvermeidliches Übel. Dies beweisen medizinische Texte mit Rezepten für Arzneimittel ebenso wie flehentliche Bitten an die Götter um die Heilung von Krankheiten sowie verzweifelte und bewegende Totenklagen.

Nicht ahnen konnten die Ägypter, dass neuzeitlicher Forscherdrang ihnen den Status als Patient im Röntgenapparat oder Computertomographen bescheren und ihnen damit eine ganz andere Form des Weiterlebens ermöglichen würde: Wissenschaftliche Veröffentlichungen über Lebensbedingungen, Krankheiten, Familienbeziehungen und Todesumstände bringen uns die Mumien als Menschen nahe und bewahren sie davor, für immer in Vergessenheit zu geraten.

Dr. Beatrix Gessler-Löhr ist seit 1984 freie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Ägyptologischen Institut der Universität Heidelberg. Sie ist Expertin für Mumien und Mumifizierung, besonders der griechisch-römischen und byzantinischen Zeit und hat neben ihrer umfangreichen Vortragstätigkeit zahlreiche Beiträge zu Sammlungs- und Ausstellungskatalogen verfasst.