Themenabend:

Kreativität und Innovation – im Neolithikum und heute

Warum kommt es zu Innovationen, und warum scheint die technologische Kreativität ungleich über den Globus verteilt? – Vorträge von Prof. Dr. Harald Meller und Prof. Dr. Jochen Streb

Die Erfindung des Rades und des Pfluges oder die Nutzung des Ochsen als Zugtier sind Beispiele für Erfindungen, die das Leben der Menschen in der Jungsteinzeit veränderten. Neben den spektakulären Erfindungen braucht es aber auch die permanente Verbesserung von Technologien in kleinen Schritten.

Programm:

18 Uhr Führung durch die Sonderschau »Die Erfindung des Traktors«

18.30 Uhr Vortrag: Über die Ursachen technologischer Kreativität – oder: Warum manche Länder reich wurden und andere arm blieben

Referent: Prof. Dr. Jochen Streb (Universität Mannheim)

19.30 Uhr Imbiss

20.30 Uhr Vortrag: Innovationen des Neolithikums – oder: Die Erfindung des modernen Lebens

Referent: Prof. Dr. Harald Meller (LDA Sachsen-Anhalt, Landesarchäologe)

Kosten

17,50 € pro Person, ermäßigt 12,00 €, inkl. Imbiss
Anmeldung erforderlich

Information und Anmeldung

T: 034461-25520
info(at)himmelsscheibe-erleben.de


Spektakuläre Erfindungen wie die Dampfmaschine von James Watt lenken von der Tatsache ab, dass der heutige Wohlstand in Mitteleuropa nicht in erster Linie einigen wenigen Basisinnovationen zu verdanken ist, sondern vielmehr der Fähigkeit, einen permanenten Strom kleiner technologischer Verbesserungen hervorzubringen. Diese Form der technologischen Kreativität war in der Wirtschaftsgeschichte niemals gleichmäßig über den Globus verteilt, sondern immer auf wenige Nationen konzentriert. Die ungleiche Verteilung der technologischen Kreativität führte zu entsprechenden Unterschieden im wirtschaftlichen Wachstum. Die Forschung untersucht, durch welche Faktoren wirtschaftliche Kreativität gefördert – oder aber gehemmt – wird, um die unterschiedlichen wirtschaftlichen Auswirkungen besser zu verstehen. »Über die Ursachen technologischer Kreativität – oder: Warum manche Länder reich wurden und andere arm blieben« – so lautet denn auch der Titel des Vortrags von Professor Jochen Streb.

Streb lehrt seit 2011 Wirtschaftsgeschichte an der Universität Mannheim. Zuvor war er Professor für Wirtschafts- und Sozialgeschichte mit Agrargeschichte an der Universität Hohenheim. Einer seiner Forschungsschwerpunkte ist die historische Innovationsforschung.

Innovationen sind jedoch kein Phänomen der Neuzeit. Schon in der Steinzeit war der Mensch äußerst erfinderisch: Innovationen wie das Rad und die Entdeckung der Zugkraft durch die Nutzung von Ochsen sind nur zwei Beispiele für Erfindungen, die keineswegs nur zu einer Erleichterung von Arbeit führten. Sie zogen tiefgreifende Veränderungen der Landschaft und der Gesellschaft im Neolithikum nach sich. Die folgende Bevölkerungsexplosion führte zur Herausbildung komplexer Gesellschaften mit Territorialbesitz und produktiver Wirtschaftsweise, bildete jedoch auch das Substrat für Infektionskrankheiten und kriegerische Auseinandersetzungen – Phänomene, die bis heute moderne Gesellschaften prägen. Professor Dr. Harald Meller beleuchtet in seinem Vortrag nicht nur die »Innovationen des Neolithikums«, sondern schlägt einen weiten Bogen und erläutert, inwiefern mit diesen Innovationen »Die Erfindung des modernen Lebens« einherging.

Meller ist seit 2009 Honorarprofessor am Institut für Kunstgeschichte und Archäologien Europas an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Seit 2001 ist er als Landesarchäologe und Direktor des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt und des Landesmuseums für Vorgeschichte Halle tätig. Zuvor war er von 1998 bis 2001 Gebietsreferent im Landesamt für Archäologie Sachsen, wo er von 1995 bis 1998 als wissenschaftlicher Angestellter Großprojekte der archäologischen Bodendenkmalpflege betreute.