Vortrag:

Lutherarchäologie

Zum Abschluss der Wanderausstellung »Lutherarchäologie« skizzieren zwei Vorträge die familiäre Herkunft und das spätere gesellschaftliche Umfeld des Kirchenreformators.

Programm:

18 Uhr Vortrag: Der Kupferschieferbergbau als wirtschaftliche Basis der Familie Luder in der Grafschaft Mansfeld im 15./16. Jahrhundert

Referentin: Kerstin Bullerjahn (LDA Sachsen-Anhalt)

Kosten: 4,00 €

19.30 Uhr Vortrag: Alles nur Luther? – Archäologie der Reformationszeit in Wittenberg

Referent: Dr. Ralf Kluttig-Altmann (LDA Sachsen-Anhalt)

Kosten: 4,00 €

Information

T: 034461-25520
info(at)himmelsscheibe-erleben.de


Der zufällige Fund einer im frühen 16. Jahrhundert mit häuslichem Abfall verfüllten Grube am Lutherelternhaus in Mansfeld hat in den letzten Jahren zu einem neuen Blick auf die Lebensverhältnisse des jungen Martin Luther und seiner Familie geführt. Im Gegensatz zu Luthers eigenen biografischen Äußerungen, die von finanziell bescheidenen Anfängen des Vaters sprechen, erscheint das Anwesen der Familie Luder als stattlicher Vierseithof, von dem das bis vor kurzem als Elternhaus bekannte Gebäude nur einen kleinen Teil ausmacht. Martin Luthers Vater Hans Luder war nicht nur einer der reichsten Hüttenmeister in Mansfeld, er betätigte sich auch im Geldverleih, übernahm Aufgaben im Verwaltungsapparat der Mansfelder Grafen, trat als Stifter auf und war langjährig im Stadtrat tätig. Auch Archivalien, die bedeutend für die Geschichte des Mansfelder Bergbaus sind, die aber bislang nur wenig untersucht wurden, konnten vor diesem Hintergrund neu bewertet werden. Kerstin Bullerjahn beleuchtet in ihrem Vortrag »Kupferschieferbergbau als wirtschaftliche Basis der Familie Luder und anderer Hüttenmeister in der Grafschaft Mansfeld im 15./16. Jahrhundert« unter anderem die politischen und wirtschaftlichen Abhängigkeiten, in denen sich Hans Luder sowie die anderen Hüttenmeister der Grafschaft befanden und wie sich dies auf ihre wirtschaftliche und soziale Stellung auswirkte.

Auch historisch bedeutende Personen wie Martin Luther sind ohne ihren Kontext nicht darzustellen oder zu verstehen. Dr. Ralf-Kluttig Altmann ist als wissenschaftlicher Mitarbeiter des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt (LDA) seit Jahren mit der Sichtung, Auswertung und Publikation archäologischer Funde und Befunde aus Wittenberg und dem wirtschaftlich verbundenen Umland beschäftigt. Das Wirken Martin Luthers ist aufs Engste verwoben mit dem Aufblühen der Stadt Wittenberg im frühen 16. Jahrhundert. Ohne die Kurfürstenresidenz, ohne die neue Universität und ihre Gelehrten, ohne den Buchdruck wäre Wittenberg nicht Ausgangspunkt der Reformation geworden. In seinem Vortrag »Alles nur Luther? Archäologie der Reformationszeit in Wittenberg« zeigt Archäologe Kluttig-Altmann anhand aktueller Forschungsergebnisse auf, wie sich die enge Verbindung zwischen der Person Martin Luther und der Entwicklung der Stadt Wittenberg im archäologischen Fundbild widerspiegelt.