Vortrag:

Pömmelte

Die Erbauer des Rondells bei Pömmelte geben den Forschern bis heute Rätsel auf. Vermutlich war es ein ritueller Ort, vielleicht ein Abbild der Welt oder ein astronomisches Observatorium.

Programm:

18 Uhr Vortrag: Das Rondellheiligtum Pömmelte-Zackmünde im Salzlandkreis – Bedeutung und Visualisierung eines Sakralortes des späten 3. Jahrtausends v. Chr.

Referent: Dr. André Spatzier (Universität Halle-Wittenberg)

Kosten: 4,00 €

19.30 Uhr Vortrag: Der ewige Kreislauf – Archäoastronomie in Pömmelte

Referentin: Mechthild Meinike (Planetarium Merseburg)

Kosten: 4,00 €

Information

T: 034461-25520
info(at)himmelsscheibe-erleben.de


Die Kreisgrabenanlage Pömmelte bei Zackmünde zählt neben der Himmelsscheibe von Nebra und dem Sonnenobservatorium von Goseck zu den bedeutendsten archäologischen Entdeckungen der vergangenen Jahre in Deutschland. Sie datiert in den endneolithisch-frühbronzezeitlichen Übergangshorizont im späten 3. Jahrtausend v. Chr. Anhand des komplexen architektonischen Aufbaus der Anlage, zahlreicher ritueller Deponierungen, auffälliger Verteilungsmuster der Funde und Befunde und anhand von weiteren Indizien kann das Rondell als metaphorisches Abbild des Weltbildes seiner Erbauer und Nutzer interpretiert werden. Rund 120 Meter misst der Durchmesser des Komplexes. Die Größe und monumentale Wirkung der Anlage soll – ähnlich wie in Goseck – durch eine Rekonstruktion erfahrbar gemacht werden. Die Visualisierung dieses einzigartigen Sakralbaus wird derzeit erarbeitet. Diese soll möglichst authentisch sein. So stehen Pfosten nicht wahllos im Raum, sondern werden genau dort eingebracht, wo die Archäologen entsprechende Spuren im Boden fanden. Aus vergleichbaren Befunden wird sogar eine farbige Gestaltung der Palisaden rekonstruiert.

Dr. André Spatzier fasst in seinem Vortrag »Das Rondellheiligtum Pömmelte-Zackmünde, Salzlandkreis. Bedeutung und Visualisierung eines Sakralortes des späten 3. Jahrtausends v. Chr.« den aktuellen Stand zusammen. Der Archäologe hat u.a. die Ausgrabungen des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt an der nahe gelegenen Kreisgrabenanlage von Schönebeck geleitet und hat über Pömmelte und das Rondell-Phänomen des 4. bis 1. Jahrtausends v. Chr. promoviert. Seit 2013 widmet er sich als wissenschaftlicher Projektleiter der Rekonstruktion und der touristischen Erschließung des Rondells Pömmelte-Zackmünde.

Im Anschluss daran beleuchtet im Planetarium der Arche Nebra Mechthild Meinike vom Planetarium Merseburg in ihrem Vortrag »Am Himmel und auf Erden« die astronomischen Dimensionen von Pömmelte. Die Rondellanlage mit ihren komplexen Strukturen bietet vielfältige Möglichkeiten zur Interpretation von astronomischen Zusammenhängen. Zahlreiche Visierlinien und Sichtachsen zu bestimmten Terminen im Sonnenkalender sind auffällig. Es gibt Parallelen, aber auch deutlich Unterschiede zum bekannten Sonnenobservatorium Goseck. Wo sind die Grenzen der Interpretation und wo fängt haltlose Deutung an? Kann die Astronomie mithelfen, Fragestellungen der Archäologie zu diesem komplexen Bauwerk zu beantworten? Ist die Astronomie möglicherweise sogar ein entscheidendes Puzzleteil zum Verständnis eines beeindruckenden rituellen Bauwerkes? In der fächerübergreifenden Diskussion zwischen zwei Fachdisziplinen wird deutlich, dass es keine einfachen Antworten auf diese Fragen geben kann.

Planetariumsreferentin Mechthild Meinike betreut im Verlauf des Jahres verschiedene Veranstaltungen in der Arche Nebra. Ihre Spezialität sind die Live-Planetariumsshows zu den Jahreszeiten im Planetarium des Besucherzentrums.