Themenabend:

Schätze aus dem Wasser

Unter der Oberfläche der Ostsee schlummert ein archäologischer Schatz: Überflutete Siedlungen und Befestigungsanlagen, Schiffssperren und versunkene Handels- und Kriegsschiffe bilden ein einzigartiges kulturgeschichtliches Archiv. Auch in Flüssen wird immer wieder mittels Tauchgängen nach vorgeschichtlichen Spuren gesucht.
Unterwasserarchäologie in Mecklenburg-Vorpommern Unterwasserarchäologie in Mecklenburg-Vorpommern

Programm:

18 Uhr Führung durch die Sonderschau »Herrscher der Bronzezeit«

18.30 Uhr Vortrag: Versunken in der Ostsee – Archäologische Entdeckungen vor der Küste Mecklenburg-Vorpommerns
Referent: Dr. Detlef Jantzen (Landesamt für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern)

19.30 Uhr Kleiner Imbiss

20.30 Uhr Vortrag: Das Tollensetal in Mecklenburg-Vorpommern vor 3300 Jahren – Schauplatz des ersten Krieges in Mitteleuropa?
Referent: Prof. Dr. Thomas Terberger (Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege)

Kosten

17,50 €, ermäßigt 12,00 €
Anmeldung erforderlich

Information und Anmeldung

T: 034461-25520
info(at)himmelsscheibe-erleben.de


Das Programm beginnt um 18 Uhr mit einer Führung durch die Sonderschau »Die Herrscher der Bronzezeit – Wandel der Eliten in Mitteldeutschland«, die noch bis 2. November in der Arche Nebra zu sehen ist. Um 18.30 Uhr beginnt der erste Vortrag »Versunken in der Ostsee – Archäologische Entdeckungen vor der Küste Mecklenburg-Vorpommerns«. Zu entdecken ist dort einiges, denn unter der Oberfläche der Ostsee schlummert ein wahrer archäologischer Schatz: Überflutete Siedlungen, versunkene Handels- und Kriegsschiffe, Schiffssperren, Befestigungsanlagen und andere Spuren menschlichen Handelns bilden ein einzigartiges kulturgeschichtliches Archiv. Archäologen und ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger arbeiten an der Erfassung, Erforschung und Erhaltung dieses Kulturerbes. Im Zusammenhang mit Baumaßnahmen müssen aber auch immer wieder ganze Schiffswracks geborgen werden. Dr. Detlef Jantzen vermittelt einen Überblick über die Unterwasserarchäologie in Mecklenburg-Vorpommern.

Jantzen ist seit August 2011 Landesarchäologe von Mecklenburg-Vorpommern. Er ist in dieser Funktion für die Bodenfunde im Land Mecklenburg-Vorpommern, ihre Bergung, Dokumentation und wissenschaftliche Bewertung verantwortlich. Der Archäologe, der in Kiel studiert hat, ist seit 1994 in Mecklenburg-Vorpommern tätig und hat dort zahlreiche Grabungen geleitet. Sein wissenschaftliches Interesse gilt vor allem der Siedlungsarchäologie in Norddeutschland und Skandinavien, der Bronzezeit in Nordeuropa sowie der experimentellen Archäologie.

Unterwasserarchäologie kann auch in Flüssen und Seen stattfinden. Das Tollensetal in Mecklenburg-Vorpommern ist ein gutes Beispiel dafür. Professor Dr. Thomas Terberger stellt »Das Tollensetal in Mecklenburg-Vorpommern vor 3300 Jahren« vor. Das Tollensetal ist durch die Entdeckung zahlreicher Menschenreste, die zum Teil Verletzungen zeigen, und zweier Holzkeulen aus der Bronzezeit in den Blickpunkt der Forschung gerückt. Inzwischen können Funde aus der Zeit vor etwa 3300 Jahren auf einer Länge von mehr als 1,5 km an verschiedenen Stellen des Flusses Tollense nachgewiesen werden. Darunter durchlöcherte Schädel, geborstene Knochen, Pfeilspitzen, die noch in den Knochen stecken, sowie – neben den menschlichen Knochen – zahlreiche Tierknochen, unter anderem von Pferden. Mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft finden im Tal unter anderem intensive Taucharbeiten und Grabungen statt. Terberger stellt die aktuellen Funde vor und diskutiert die Frage, ob diese Hinterlassenschaften erstmals einen größeren Gewaltkonflikt für die mitteleuropäische Bronzezeit belegen, ob also das Tollensetal »Schauplatz des ersten Krieges in Mitteleuropa« war, wie der Untertitel des Vortrags lautet. Hier liegt auch eine Verbindung zur Arche-Nebra-Sonderschau »Herrscher der Bronzezeit«. Die Schau zeigt anschaulich anhand der mitteldeutschen Fürstengräber: Der Besitz von Bronzeartikeln förderte die Anhäufung von materiellem Reichtum. Reichtum aber geht immer einher mit sozialem und früher oder später auch territorialem Herrschaftsanspruch – auch das zeigt die Sonderschau für Mitteldeutschland. Mit der Beanspruchung eines bestimmten Territoriums aber wurde auch der Grund für bewaffnete Auseinandersetzungen im größeren Stil gelegt, wie sie möglicherweise im Tollensetal archäologisch greifbar werden.

Professor Dr. Thomas Terberger leitet seit 2008 gemeinsam mit Dr. Detlef Jantzen die Forschungen zum Gewaltkonflikt im Tollensetal. Er arbeitete 20 Jahre lang an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald, seit 2009 als außerplanmäßiger Professor. Seine Arbeitsschwerpunkte bilden das Jungpaläolithikum Mitteleuropas, die Steinzeit im Ostseeraum, steinzeitliche Menschenreste und Forschungen zu den Anfängen von Gewalt und Krieg. Seit April 2013 ist er am Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege tätig. Er koordiniert unter anderem die Forschungen zum Fundplatz Schöningen, der aufgrund der sensationellen Schöninger Speere, der ältesten Holzspeere der Menschheit, von großer Bedeutung für die archäologische Forschung ist.