Vortrag:

Sonnenreligion und Sonnenschiff – Ägypten, Nebra, Dänemark

Referent: Dr. Flemming Kaul (Nationalmuseum Kopenhagen)

Schiffsdarstellungen wie auf der Himmelsscheibe von Nebra sind in der Bronzezeit von Ägypten bis Dänemark verbreitet. Welche Verbindungen bestehen zwischen der ägyptischen religiösen Vorstellung vom Sonnenschiff und den Schiffsmotiven der europäischen Bronzezeit?

Eintritt: 3,00 €
Anmeldung empfohlen

Information

T: 034461-25520
info(at)himmelsscheibe-erleben.de

Hinweis:
Der öffentliche Abendvortrag findet im Rahmen einer archäoastronomischen Tagung statt. Das gesamte Tagungsprogramm (01.–03.11.2013) mit allen Vorträgen finden Sie hier: www.planetarium-merseburg.de/tagung

Wer sich die Himmelsscheibe von Nebra genauer anschaut, erkennt neben Sonne, Mond und Sternen am unteren Rand der Scheibe einen gebogenen Goldstreifen. Es handelt sich dabei um eine stark stilisierte Schiffsdarstellung. Das Schiff wird als „Sonnenbarke“ interpretiert. Es transportierte in der bronzezeitlichen Vorstellung die Sonne von Horizont zu Horizont.

Das Schiff spielt offenbar generell eine wichtige Rolle in der Mythologie der Bronzezeit. In Skandinavien und in Ägypten gibt es bemerkenswerte Parallelen des Bildes vom »Sonnenschiff«. So zeigen zum Beispiel zahlreiche Felsbilder in Dänemark, Schweden und Norwegen Schiffe, die offenbar die Fahrt der Sonne bei Tag oder auch bei Nacht darstellen. Zeitgleich ist die Sonnenbarke auch im Alten Ägypten bekannt. Der Sonnengott Ra fährt nach dem Glauben der Ägypter tagsüber mit einer Sonnenbarke über den Himmelsbogen. Jeden Abend steigt er um in die Nachtbarke und durchquert nachts das Wasser der Unterwelt bis zum erneuten Aufgangsort.

In Gegenden mit Bezug zur Meeresküste wie zum Beispiel in Skandinavien ist aufgrund der großen Bedeutung, die Schiffe im Alltagsleben der Menschen hatten, die Entstehung der Vorstellung von der Sonnenbarke verständlich. Und im alten Ägypten war die Barke ein wichtiges Fortbewegungsmittel mit repräsentativer und kultureller Bedeutung. Wie die Vorstellung vom Sonnenschiff zu den bronzezeitlichen Bewohnern des Unstruttals gelangte, die die Himmelsscheibe herstellten und benutzten, ist jedoch unbekannt.

Dr. Flemming Kaul vermutet allerdings Verbindungen zwischen Ägypten und Skandinavien. Möglicherweise habe eine weitgereiste Elite der bronzezeitlichen nordischen Gesellschaft Kenntnis von der ägyptischen Religion gehabt und die Vorstellung vom Sonnenschiff von dort übernommen. Vielleicht seien auch noch weitere religiöse Vorstellungen adaptiert worden. In den vergangenen Vorträgen in der Arche Nebra war oft von der Behandlung der Verstorbenen im alten Ägypten die Rede. Die komplexe Vorstellung von einem Leben nach dem Tod ist in Ägypten gut greifbar, in anderen bronzezeitlichen Kulturen jedoch nicht überliefert. Welche Vorstellungen für das Leben nach dem Tod gab es? Spielten womöglich die Toten eine aktive Rolle für den ewigen Sonnenlauf als Schiffsbesatzung auf der Sonnenbarke?

Dr. Flemming Kaul ist wissenschaftlicher Mitarbeiter und Kurator für Vorgeschichte am Nationalmuseum Kopenhagen, das auch den Sonnenwagen von Trundholm beherbergt. Er ist Experte für bronzezeitliche Ikonografie und forscht über die Entwicklung der figürlichen Verzierungen auf Bronzeobjekten.