Themenabend:

Sorge für ein Leben nach dem Tod

Totenbücher sind wertvolle Quellen für die Jenseitsvorstellung im alten Ägypten. Sie wurden den Verstorbenen als Anleitung für den Weg in die Welt der Götter mitgegeben. Die Balsamierung des Toten diente der praktischen Vorbereitung für seine letzte Reise.

Programm:

18 Uhr Vortrag: Dem Tod die Stirn bieten – Das altägyptische Totenbuch und seine Erforschung
Referent: Dr. Marcus Müller (Universität Bonn)
Kosten: 4,00 €

20.30 Uhr Vortrag: Das altägyptische Ritual zur Balsamierung – Der Wandel vom Leichnam zur Mumie
Referentin: Susanne Töpfer (Universität Heidelberg)
Kosten: 4,00 €

Zwischen den Vorträgen besteht die Möglichkeit, kostenfrei die Sonderschau »Ägyptische Mumien« zu besuchen.

Information und Anmeldung

T: 034461-25520
info(at)himmelsscheibe-erleben.de


Keine Reise nach Ägypten ohne eine Tour zu den Pyramiden – der aufwändige Totenkult im alten Ägypten übt auch heute noch eine große Faszination aus. Was steckt dahinter? Welche Vorstellungen hatten die alten Ägypter von Tod und Jenseits? Wie erklärt sich der immense Aufwand, der getrieben wurde, um die Körper der Verstorbenen zu erhalten? Und wie funktioniert überhaupt die Mumifizierung der Toten?

»Dem Tod die Stirn bieten« – so lautet der Titel des Vortrags von Dr. Marcus Müller aus Bonn, mit dem der Themenabend um 18 Uhr beginnt. Die alten Ägypter bereiteten sich wie keine andere Kultur auf ihren Tod und ihr Begräbnis vor. Während die Mumifizierung die Unversehrtheit ihres Körpers garantierte und das Grab als Haus für die Ewigkeit diente, wurde der Verstorbene mit Grabbeigaben auch materiell versorgt. Auf der einen Seite gehörte dazu Nahrung, die während der Bestattung und später durch einen Totenkult gewährleistet wurde. Auf der anderen Seite zählten zu dieser Versorgung auch Informationen über die Orte, die Bewohner und die Geschehnisse im Jenseits. Eine der Quellen, die dem Verstorbenen das nötige Wissen vermittelte und heute einen Einblick in diese Gedankenwelt verleiht, nennt die moderne Ägyptologie das »Totenbuch«.

Dr. Marcus Müller erklärt, wie das Totenbuch wissenschaftlich erschlossen wird und erläutert aktuelle Forschungsergebnisse. Er studierte Ägyptologie, Vorderasiatische Archäologie und Ur- und Frühgeschichte in Heidelberg und nahm an archäologischen Grabungen u.a. in Elephantine in Ägypten teil. 2006 begann er als wissenschaftlicher Angestellter der Abteilung für Ägyptologie der Universität Bonn, am Totenbuch-Projekt zu arbeiten – einem Vorhaben der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste. Er publizierte über Totenbücher zusammen mit Susanne Töpfer, der zweiten Referentin des Abends, in der Reihe »Handschriften zum Altägyptischen Totenbuch«.

Um 20.30 Uhr schließt sich der thematisch passende Vortrag von Susanne Töpfer von der Universität Heidelberg an. „Das altägyptische Ritual zur Balsamierung“ lautet ihr Thema, und sie erläutert, wie der Leichnam zur Mumie wird. Das sogenannte »Balsamierungsritual« ist ein altägyptischer Text, der sich u.a. mit dem physischen Wandel des Körpers beschäftigt. Der erhaltene Teil des Rituals umfasst zwölf Kapitel, in denen Bandagierungen und Salbungen einzelner Körperpartien vom Kopf bis zu den Beinen geschildert werden. Die Abschnitte beinhalten detaillierte Anweisungen, welche Körperpartien mit welchen Materialien (Textilien, Salben, Pflanzen) zu behandeln sind. Dann folgen Ritualsprüche, die während des Balsamierungsprozesses rezitiert werden. Diese sollen den Verstorbenen im Jenseits schützen und ihm zum ewigen Leben verhelfen.

Susanne Töpfer hat Ägyptologie, Klassische Archäologie und Kunstgeschichte in Leipzig, Basel und Göttingen studiert. 2009/2010 war sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Totenbuch-Projekt der Universität Bonn tätig. 2010 arbeitete sie zudem am Ägyptologischen Institut/Ägyptischen Museum der Universität Leipzig an der Konzeption der Neuaufstellung des Museums. Zurzeit ist die Ägyptologin wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Heidelberg. Seit 2011 bearbeitet sie u.a. im Projekt »Medizinische Systeme im Wandel: der Fall Alter Orient« das gynäkologische Medizinal-System im alten Ägypten und seine Einflüsse auf Mesopotamien und die Ägäis.

Der Themenabend endet gegen 22 Uhr. Zwischen Vortrag und Planetariumsshow besteht die Möglichkeit, durch die Arche Nebra zu schlendern und sich die neue Sonderschau »Ägyptische Mumien« anzuschauen.