Veranstaltung:

Wanderausstellung »Lutherarchäologie«

Vorträge und Musik zum Auftakt der Wanderausstellung »Lutherarchäologie«
Erfurter Tanz Gilde e.V. Mitglieder des »Erfurter Tanz Gilde e.V.« bei den Lutherkonzerten 2011 zusammen mit der Erfurter Camerata im Rathausfestsaal in Erfurt.

Programm:

18 Uhr: Vortrag »Martin Luther im Mansfelder Land – Archäologische Forschungen zur Familie des Reformators«
Referent: Björn Schlenker (Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt)

19.30 Uhr: »O Mensch lerne tanzen, sonst wissen die Engel im Himmel mit dir nichts anzufangen!« – Vortrag und moderierte Aufführung lutherzeitlicher Tänze
Referentin: Mareike Greb (Musikwissenschaftlerin, Leipzig)
Tänze: Erfurter Tanz Gilde e.V.

Kosten

8,00 € pro Person für beide Vorträge
Die Vorträge können aber auch einzeln besucht werden.
Anmeldung empfohlen

Information

T: 034461-25520
info(at)himmelsscheibe-erleben.de


2008/2009 war im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle die große Landesausstellung »Fundsache Luther – Archäologen auf den Spuren des Reformators« zu sehen. Mit der Wanderausstellung »Lutherarchäologie«, die Ergebnisse der Ausgrabungen am Mansfelder Elternhaus von Martin Luther sowie am Lutherhaus in Wittenberg zeigt, wird die Arche Nebra vom 27. November 2014 bis 1. März 2015 zum Informationspunkt für eine der zahlreichen UNESCO-Welterbestätten in Sachsen-Anhalt.

Im Herbst 2003 fanden Ausgrabungen am Mansfelder Elternhaus von Martin Luther sowie im ehemaligen Augustinerkloster in Wittenberg, wo der Reformator später mit seiner Familie gewohnt hat, statt. Die Wanderausstellung »Lutherarchäologie« präsentiert in Form von acht Filmstationen Informationen vor allem zu den Grabungen in Mansfeld, die ein neues Bild auf die Lutherbiografie geworfen haben: Nach eigenen Aussagen stammte Luther aus ärmlichen Verhältnissen. Die Grabungen und baugeschichtliche Untersuchungen am Elternhaus in Mansfeld zeichnen jedoch ein anderes Bild. Dass er der Sohn eines armen Bergmannes gewesen sein soll, passt nicht mit dem Lebensstandard zusammen, den die Funde in Mansfeld belegen. In den Abfallschichten wurden hochwertiger Hausrat, Gläser und viele Münzen gefunden. Ebenso unter den Funden waren eine ganze Anzahl von Tierknochen, d.h. Speiseüberresten, die einen guten Standard der Ernährung belegen. So etwas passt nicht in das Bild einer Familie, die aus armen Verhältnissen kommt und nicht viel zum Leben hat. Die Wanderausstellung wurde konzipiert vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt (LDA). Die Grabungsergebnisse aus Mansfeld erläutert LDA-Grabungsleiter Björn Schlenker in seinem Einführungsvortrag »Martin Luther im Mansfelder Land«.

Luthers Erfolg als Reformator ist bekanntlich auch auf den beginnenden Buchdruck zurückzuführen. Gedruckt wurde alles: Text, Bild – und auch Musik, in Form von Noten. Mit freundlicher Unterstützung des LDA können zusätzlich zur Wanderausstellung im Foyer der Arche Nebra eine Anzahl von Drucklettern aus Blei des 16. Jahrhunderts gezeigt werde, die bei jüngsten Grabungen auf dem Gelände des ehemaligen Franziskanerklosters in Wittenberg zutage traten. Das Besondere an den Lettern: Es handelt sich um bislang einmalige Notentypen. Zum Auftakt der Ausstellung sollen diese Notentypen zum Klingen gebracht werden und einen Eindruck von renaissancezeitlicher Musik vermitteln. Die »Tanz Gilde Erfurt« wird beispielhaft in historischen Kostümen Tänze der Lutherzeit darbieten. Der Verein widmet sich der Rekonstruktion und dem Erlebbarmachen von Choreografien höfischer und bürgerlicher Gesellschaftstänze vorwiegend aus dem Zeitalter der Renaissance und des Frühbarock. Dabei steht das unmittelbare Nachempfinden der höfischen Tanzkultur zur Musik aus dem 15., 16. und 17. Jahrhundert im Vordergrund. Moderiert werden Musik und Tanz durch Mareike Greb. In ihrem Vortrag »O Mensch lerne tanzen, sonst wissen die Engel im Himmel mit dir nichts anzufangen!« erläutert die Musikwissenschaftlerin, die auch freie Tänzerin, Musikerin und Schauspielerin ist, die zahlreichen Schriften, die seit der Mitte des 15. Jahrhunderts Musik, Tanzschritte und Verhaltensregeln festhalten. Aber auch religiöse und philosophische Dimensionen wurden dem Tanz zugewiesen: Die Tänze waren demnach Sinnbild für die Wirren des Lebens, die am Ende wieder in der göttlichen Ordnung zur Ruhe finden. Mareike Greb war unter anderem beteiligt an der gerade zu Ende gegangenen Ausstellung »Heavy Metal« im Landesmuseum für Vorgeschichte, in der die Notentypen aus Wittenberg erstmals zu sehen waren.